In alten Zeiten schwelgen

Schlösser, Burgen und Burgruinen rund um Kassel

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Nordhessen

Rund um Kassel gibt es nicht nur jede Menge Wälder, sondern auch die Burgendichte ist erfreulich hoch. Von Ruinen, die kaum noch als solche zu erkennen sind, über gut erhaltene Burgen bis hin zu herrschaftlichen Schlössern, in denen Museen eingerichtet sind, gibt es alles was das Herz begehrt. Hier ist meine persönliche Liste von Favoriten.

Burgruine Igelsburg im Habichtswald

Ich gebe es zu, um hier auch nur den Hauch einer Burgruine zu entdecken, braucht man schon mächtig viel Fantasie, denn alles, was von der Igelsburg noch übrig ist, ist ein kleiner Hügel und ein Wallgraben im Habichtswald nahe der Bundesstraße 251, auf dem einige schlanke Buchen wachsen und im zeitigen Frühjahr Anemonen mit zarten weißen Blüten den Waldboden verschönern.

Zurzeit von Karl dem Großen soll hier eine Burg in Palisadenbauweise gestanden haben, die dem König strategische Dienste während seiner kriegerischen Auseinandersetzungen erwies.

Hier stand einst eine kleine Palisadenburg

Hier stand einst eine kleine Palisadenburg

Einen Besuch sind die sanften Hügel im Wald dennoch wert, von hier kann in einem Rundweg der Silbersee und der nahe gelegene Waldsee Höllchen erwandert werden.

Burgruine Schartenberg im Habichtswald

Im Habichtswald in der Nähe von Zierenberg liegt auf dem Schartenberg etwas versteckt diese verfallene Burgruine, von der ein paar Mauerreste und der teilweise eingestürzte Bergfried erhalten sind. Die Entstehungszeit der Burg wird auf das 11. Jahrhundert geschätzt, bereits im Jahr 1518 wurde die Burg als baufällig beschrieben. Ein kleiner Trampelpfad führt zwischen den Mauerresten hindurch zum Turm, von dem einige Teile restauriert und Mauerteile mit Balken abgestützt wurden. Aufgrund des schlechten Zustands kann der Turm jedoch nicht betreten werden.

Burgruine Schartenberg im Frühlingswald

Burgruine Schartenberg im Frühlingswald

Die Wanderung zur Ruine auf dem Fulda-Diemel-Weg hat dennoch ihren Reiz, und falls du den Ausblick ins Tal von hoher Warte genießen möchtest, steht etwa 2 Kilometer weit entfernt von der Ruine ein begehbarer Wartturm auf dem Schreckenberg.

Sababurg im Reinhardswald

Die schön erhaltene Sababurg im Reinhardswald wird seit 2018 umfassend saniert und ist für Besucher während dieser Zeit nur eingeschränkt zugänglich. Nach der Neueröffnung soll die Burg, deren Entstehungsjahr auf 1334 geschätzt wird, ihren Hotel- und Restaurantbetrieb wieder aufnehmen. Die Sababurg trägt den Beinamen Dornröschenschloss, denn man ist der Meinung, dass sie den Gebrüdern Grimm als Inspiration für das Märchen von Dornröschen gedient haben soll.

Dornröschenschloss Sababurg im Reinhardswald

Dornröschenschloss Sababurg im Reinhardswald

Während der Renovierungsarbeiten lohnt sich ein Besuch aber dennoch, denn in direkter Nähe der Burg befindet sich der Tierpark Sababurg, von dessen wunderschön angelegten, großzügigen Gelände aus man den besten Blick auf die kleine Burg hat—und natürlich auf die Tiere, viele davon alte Haustierrassen, für deren Erhalt sich der Tierpark einsetzt.

Kugelsburg im Waldecker Land

Die Kugelsburg im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist das Wahrzeichen der Stadt Volkmarsen und eine sehr schön erhaltene Burgruine. Sie ist bei weitem kein einsames Gemäuer in der Landschaft, sondern touristisch erschlossen, es gibt ein Restaurant, das an bestimmten Tagen Getränke und Speisen bietet und unterhalb der Burganlage ist ein Bogenschießparcours aufgebaut.

Die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1225, im Jahr 1885 kaufte die Stadt Volkmarsen die Reste der inzwischen längst verfallenen Burg und startete erste Arbeiten der Wiederherrichtung. Den großen runden Bergfried kann man über eine steile Treppe mit Leitern im Inneren erklimmen und den weiten Ausblick ins Land genießen. Oder man kann in den Hexenkeller hinab steigen und sich ein wenig im muffigen Gemäuer gruseln. Oder eben einfach bei schönem Wetter in der Sonne sitzen.

Kugelsburg im Waldecker Land

Kugelsburg im Waldecker Land

Der Parkplatz befindet sich direkt bei der Burg, der Eintritt ist frei und für Wanderfreudige startet hier eine der Extratouren des Habichtswaldsteigs.

Burgruine Grebenstein

Grebenstein ist ein kleiner, feiner Ort an der Bundesstraße B83 mit viel Fachwerk, aus dem ganze drei Türme herausschauen und auf dem Berg direkt neben diesem Ort steht eine Burgruine aus dem Jahr 1272. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und ihre Steine wurden zum Wiederaufbau der Stadt Grebenstein genutzt. Die Ruine ist heute übersichtlich, sie besteht aus einem großen rechteckigen Palas mit vielen kleinen Fenstern und Erkern, im Inneren des Palas führt eine großzügige Stahltreppe bis hinauf zu einer Aussichtsplattform, von der aus man weiten Fernblick ins nordhessische Bergland hat und natürlich auf das schöne Fachwerk von Grebenstein.

Burgruine Grebenstein

Burgruine Grebenstein

Zur Burg hinauf führen drei verschiedene Eco Pfade, die an aufgestellten Bänken mit Zitaten unterhalten. Der Eintritt in die Ruine ist ganzjährig möglich und kostenlos.

Schloss Wilhelmsthal bei Calden

Nicht weit von Kassel liegt bei Calden ein weiterer schön angelegter Park, der zur Museumslandschaft Hessen Kassel gehört, in dem dieses kleine Rokoko-Schmuckstück steht: Schloss Wilhelmsthal, das der hessische Landgraf Wilhelm VIII ab 1743 erbauen ließ.

Schloss Wilhelmsthal bei Sonnenuntergang

Schloss Wilhelmsthal bei Sonnenuntergang

Die Räumlichkeiten und Sammlungen des Schlosses können gegen Eintritt besichtigt werden, der Eintritt in den umgebenden Park ist frei.

Schloss Wilhelmshöhe im Bergpark Wilhelmshöhe

Schloss Wilhelmshöhe, eines der zentralen Bauwerke im Bergpark Wilhelmshöhe, überblickt in einer geraden Sichtlinie die Wilhelmshöher Allee und damit die Stadt Kassel in Richtung Osten. In Richtung Westen schweift der Blick über die Kaskaden hinauf zum Herkules, dem Wahrzeichen der Stadt. Erbaut wurde es von Landgraf Wilhelm IX zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Schloss Wilhelmshöhe an einem kalten Wintertag

Schloss Wilhelmshöhe an einem kalten Wintertag

Im Schloss Wilhelmshöhe befindet sich die Gemäldesammlung Alte Meister, unter anderem mit Werken von Rembrandt und Rubens, sowie wechselnde Sonderausstellungen, so dass sich ein Besuch immer wieder lohnt.

Burgruine Weidelsburg im Waldecker Land

Das Wahrzeichen des Wolfhager Landes, die Weidelsburg, ist eine sehr gut erhaltene Burgruine im Naturpark Habichtswald in der Nähe von Ippinghausen, die zu einer Besichtigung geradezu einlädt. Sie besteht aus mehreren Mauern, Torbögen und Turmresten, der große Turm wurde durch den Einbau einer großen Stahltreppe für Besucher zugänglich gemacht und bietet hervorragenden Weltblick ins nordhessische Land. Die Erbauungszeit der Burg wird ab dem Jahr 1111 geschätzt und in den folgenden Jahrhunderten diente sie als Wehrburg und war Zeugin zahlreicher Auseinandersetzungen. Seit dem 16. Jahrhundert verfiel sie und wurde in den letzten hundert Jahren mehrfach aufwändig saniert.

Weidelsburg im Waldecker Land

Weidelsburg im Waldecker Land

Vom Parkplatz aus führt ein steiler Schotterweg durch den Wald zum Eingangstor der Burg, die rund ums Jahr geöffnet hat, der Eintritt ist frei.

Burgruine Desenburg in der Warburger Börde

Der Desenberg liegt nicht mehr im schönen Nordhessen, sondern bereits in Nordrhein-Westfalen, nahe der Stadt Warburg, quasi einen Steinwurf von Kassel entfernt. Zur Burgruine Desenberg führt vom Wanderparkplatz ein schmaler Pfad den waldlosen Hügel zur Ruine hinauf, von der ursprünglichen Anlage stehen noch der Bergfried und ein paar Mauerreste.

Der Bergfried wurde als Aussichtsturm gestaltet und kann über eine Stahltreppe erklettert werden, da der Desenberg die einzige nennenswerte Erhebung in der Warburger Börde ist, bietet er von oben Fernblick in alle Richtungen. Die Erbauungszeit der Burg wird auf den Zeitraum der Jahre 1000-1100 geschätzt, damit ist sie die Oma unter den Burgen im Kasseler Umkreis.

Die Burgruine auf dem Desenberg im Abendlicht

Die Burgruine auf dem Desenberg im Abendlicht

Der Eintritt ist ganzjährig möglich und kostenlos.

Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Der erste Platz dieser Liste gebührt der Löwenburg, einer romantischen, verfallenen Burgruine, die am Rande des Habichtswalds im schönen Bergpark Wilhelmshöhe steht. Landgraf Wilhelm IX hat das kleine Hogwarts von Kassel im Jahr 1793 erbauen lassen und weil er nicht warten wollte, bis das Gebäude von selbst verfällt, ließ er es einfach gleich als Ruine entwerfen.

Wie so vieles in der Stadt Kassel wurde auch die Löwenburg im Zweiten Weltkrieg durch Bombenabwurf schwer beschädigt, unter anderem wurde der große Bergfried komplett zerstört. In den letzten Jahren haben aufwändige Restaurierungen stattgefunden, während denen unter anderem der komplette Turm wieder aufgebaut wurde.

Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe

Nachdem die Kräne verschwunden sind, ist die kleine Burg wieder ein perfektes Fotomotiv—einziges Manko: die Windräder am Horizont, die so gar nicht zur Kulisse passen, für meine Fotos retuschiere ich sie meistens. Die kleine Burg kann gegen Eintritt von innen besichtigt werden.

Fotospot Burg Aussichtspunkt

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Kathinka
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Kathinka

Lebt im grünen Nordhessen, weil es dort so schön ist. Hat als studierte Germanistin in langjähriger Arbeit in der Informatik Nerdwissen Deluxe gesammelt. Mag Matsch und Schlamm genauso gern wie einen bunten Sonnenaufgang, steht für beides auch mal mitten in der Nacht auf und findet, dass es generell nie genug Bilder von Bäumen im Nebel geben kann.

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